DAS GROSSE KLOSTER VATOPAEDI, EIN HANDBUCH FÜR DEN PILGER 4

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Deisis (Supplication) - Christ between the Holy Virgin and St. John the Baptist. Byzantine mosaic in the esonarthex of the catholicon (main church) of the Monastery of Vatopaidi (late 11th - early 12th century).

Das Kloster

Das Kloster Vatopaedi gilt als größter Baukomplex im Gebiet des Berges Athos. Aus diesem Grund erhielt es schon in den frühesten Anfängen seines Bestehens den Beinamen Megiste («sehr groß»). In Dokumenten aus dem 11. Jh. wird es «Lavra von Vatopaedi» genannt, in Dokumenten aus dem 14. Jh. «Großes Kloster von Vatopaedi».

AUSSENANSICHT – EINGANG – HOF

Nach außen zeigt das Kloster einen polygonalen Umriß; die Umfassungsmauer, die in bestimmten Abständen Geschützstände und drei Verteidigungstürme aufweist, hat reinen Festungscharakter. Die Bauten, die heute das Bild prägen, führen alle Epochen seit der Gründung des Klosters vor Augen, eine Tatsache, die sich damit erklären läßt, daß eine Unzahl von Umbauten stattgefunden hat, notwendig geworden durch die von Piraten oder wiederholten Feu-ersbrünsten angerichteten Schäden oder bedingt durch Er-weiterungen, die den Bedürfnissen der gewöhnlich zahlrei-chen Mönche von Vatopaedi Rechnung tragen sollten.

Die Nordseite des Klosterkomplexes, parallel zum Meer verlaufend, wurde 1654 erbaut; sie ist etwa 200 m lang. Hier sind die Gemächer des Abtes untergebracht, sowie das Sy-nodikon, das Sekretariat, die alte Bücherei, die Zellen der Mönche und die Räume, die heute als Gästehaus dienen; diese wurden im Jahre 1782 eingerichtet, an der Stelle eines der neun Türme, die das Kloster ursprünglich hatte. Der Mittelteil, der niedergebrannt war und in neuerer Zeit wieder aufgebaut wurde, beherbergt die neue Bibliothek und die Ikonen.

Die südöstliche Seite wurde im Jahre 1818 neu erstellt; ab-gesehen von Zellen und verschiedenen anderen Bauten sind hier das Krankenhaus und Unterkunftsmöglichkeiten für die Alten eingerichtet, für die im Jahre 1856 ursprünglich ein zweistöckiger Bau hinter der Hauptkirche (Katholikon) vor-gesehen war. Die Westseite der Umwallung entstand in ihrer heutigen Form im Jahre 1864.

Am tiefstgelegenen Punkt dieser Umwallung öffnet sich das große Tor des Klosters. Man erreicht es im ansteigenden Gelände über eine Treppenflucht aus halbrunden Stufen. Der Eingang ist bewehrt von einem doppelten Tor, dessen zwei massive, mit Eisen beschlagene Türen jeden Abend ge-schlössen werden. Über der ersten Tür ist, geschützt von einer Glasscheibe, die Ikone der Panaghia Pyrovolithissa, daneben eine Inschrift, die das Entstehungsjahr der Malerei an der Innenseite des gewölbten Bogens angibt: 1858.

Wenn der Besucher das Haupttor durchschritten hat, findet ersieh in einem geräumigen, gepflasterten Innenhof, der ver-schiedenen Bauten Platz bietet, dem Refektorium und dem Olivenöllager im Vordergrund, der Hauptkirche (Ka-tholikon) im Hintergrund. In den Baukörper des Katholikons intergriert sind der Uhrturm und die Phiale*, der Glockenturm erhebt sich in dessen unmittelbarer Nähe. Etwas wei-ter entfernt, im südlichen und westlichen Teil des Hofes, sind die neue Bäckerei, der vierseitige Brunnen, die Kapelle der Heiligen Kosmas und Damian, die Kapelle des Heiligen Gürtels und die alte Bäckerei.

DAS KATHOLIKON

Das Katholikon des Klosters Vatopaedi ist ein beein-druckender Bau; es ist der Verkündigung Mariens geweiht (25. März) und blieb über 10 Jahrhunderte hindurch ohne jegliche Veränderung. Abgesehen von unwesentlichen Abweichungen folgt die Architektur dem Vorbild des Klosters Megiste Lavra. Der Baukörper ist in fünf Teile gegliedert:

1. Der Exonarthex

Der längliche Exonarthex verbindet über eine Marmor-treppe das Katholikon mit dem nördlichen Flügel. In der Mitte dieser Treppe ist die Paramythia Kapelle mit der wundertäti-gen Ikone gleichen Namens. Dieser zweistöckige, offene Exo-narthex ist offensichtlich ein Anbau aus dem 17. Jh.. Über der marmornen Türöffnung des Eingangs ist eine Inschrift aus dem Jahre 1426, die von früheren Ausbesserungsarbeiten stammen muß. Die Wandgemälde im Exonarthex zeigen die 24 «Häuser» des Akathistos Hymnus*, Kriegerheilige und das Jüngste Gericht; sie wurden 1843 neu gemalt.

Drei Türen öffnen sich zum Narthex. Die mittlere ist mit Bronzeplatten verkleidet, die mit Reliefs von Pflanzen, verschiedenen anderen Schmuckmotiven und mit einer Dar-stellung der Verkündigung verziert sind. Der Über-lieferung nach stammt diese Tür aus der Kirche der Hl. So-phia in Thessaloniki; sie wurde an dem Tag, an dem die Stadt an die Türken fiel (1430), zum Kloster gebracht. Die beiden anderen Türen führen in die Kapellen des Hl. Nikolaos und des Hl. Demetrios, jeweils rechts und links vom Narthex. Über der Tür zur Kapelle des Hl. Nikolaos ist ein Mosaik mit der Darstellung des Heiligen (14. Jh.), leider in sehr schlechtem Zustand. Rechts ist ein großes Wandgemälde von der Hl. Jungfrau, das Heilige Kind tragend; es ersetzt die wundertäti-ge Ikone der Panaghia Paramythia, die nach dem Wunder in die Kapelle gleichen Namens gebracht wurde.

In die Mauern des Exonarthex verbaut finden sich byzanti

nische Brüstungsplatten und Reliefs aus der antiken Stadt Thyssos, die sich einst dort ausdehnte, wo heute Vatopaedi liegt. Die Reliefs zeigen Meeresgottheiten wie den Titan Krios.

2. Der Esonarthex (liti)

Der Esonarthex, für besondere liturgische Gebräuche des Klosters bestimmt, bekam seinen Namen «liti» von den Riten gleichen Namens, die dort abgehalten werden. Auf den Pilastern der Bogen rechts und links der Mitteltür sind die berühmten Mosaiken mit den Darstellungen der Verkündigung (frühes 14. Jh.) und der Deisis* (spätes 11., frühes 12. Jh.) -die einzigen Wandmosaiken auf dem Heiligen Berg überhaupt. Die Wandmalereien im Eso-narthex -wie im ganzen Katholikon- wurden gemäß einer späteren Inschrift alle zusammen im Jahre 1312, in der Regierungszeit von Andronikos II. Palaeologos, ausgeführt, sind später jedoch häufig übermalt worden. Ungeachtet dieser Behandlung sind die Gemälde Meisterstücke der sog. Makedonischen Schule geblieben: sie werden den Schülern von Panselinos zugeschrieben. Zu diesen Werken gesellen sich noch eine Reihe von Szenen aus der Leidensgeschichte und verschiedene andere Abschnitte, die der Übermalung entgehen konnten.

Weiter nach hinten, an der linken Seite, im Narthex der Ka-pelle des Hl. Demetrius, ist die wundertätige Ikone der Panaghia Esphagmeni (s.S. 60 und Abb. 29) auf der Wand aufgetragen.

3. Mesonyktikon

Dieser Raum zwischen dem Esonarthex und dem Haupt-raum der Kirche hat seinen Namen vom nächtlichen Gottes-dienst, der hier abgehalten wird. Im Hintergrund, auf der rech-ten Seite, ist ein spätbyzantinisches Grab in die Mauer einge-lassen. Der Überlieferung nach birgt es die Gebeine der Gründer des Klosters, Athanasius, Nikolaos und Antonios; als das Grab vor kurzem geöffnet wurde, fand diese Überliefe-rung überzeugende Bestätigung. Die drei Männer sind auf einem Wandgemälde darüber dargestellt, zusammen mit Kaiser Theodosius dem Großen, Arkadius, Honorius und Jo-hannes Kantakuzenos. Links dahinter ist die wundertätige Ikone der Panaghia Antiphonitria (s.S. 62 und Abb. 30), ein Wandgemälde.

Hervorzuheben ist, daß es ein Mesonyktikon in dieser Form nur in Vatopaedi gibt; es wurde im Jahre 1760 ausgemalt.

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