Das Leben und Wirken des ehrw. Seraphim von Sarow (1) (Γερμανικά, German)

saint seraphim of sarov bear 

1. O. Schwedow, «Das Leben und Wirken des ehrw. Seraphim».

Der ehrwürdige Seraphim, der Wundertäter von Sarow, war am 19. Juli 1754 als Sohn des Kaufmanns Isidor Moschnin geboren und wurde auf den Namen Prochor getauft. Seine ganze Erziehung hatte er seiner Mutter – Agafija Moschnina – zu verdanken, denn der Vater war gestorben, als der Knabe drei Jahre alt war. Gott der Herr hatte dem ehrwürdigen Seraphim schon von dessen Kindheit an sein besonderes Wohlwollen erwiesen – so blieb der Knabe unversehrt, als er eines Tages von einem in Bau befindlichen Glockenturm herunterfiel. Ein anderes Mal genas er durch den Segen der Kursker Korennaja – Ikone der Gottesmutter des Zeichens auf wunderbare Weise nach einer schweren Krankheit. Die Wohltaten Gottes fanden in der kindlichen Seele einen dankbaren Widerhall. Am meisten verlangte es Prochor nach einem Dienen für Gott und nach geistlichen Belehrungen. Mit siebzehn Jahren geht er nach Kiew, um die heiligen Gottesknechte des Höhlenklosters zu verehren und sich «auf dem Wege des Herrn» einen weisen Lehrmeister zu suchen. Unweit von Kiew diente in der Klause zu Kitajewo der Starez Dosifei, der sagte zu Prochor: «Lenke deine Schritte nach Sarow, und verweile dort. An dieser Stätte wirst du mit Gottes Hilfe Rettung finden.» Er wies ihn an, er solle inbrünstig zu Jesus Christus, zum Heiligen Geist und um die Reinheit seiner Seele und seines Leibes beten. Am 20. November 1778 traf Prochor im Einödkloster zu Sarow ein, das sich durch seine Begründer und Mönche einen Namen gemacht hatte. Dort herrschte eine strenge Ordnung; die Klosterbrüder hatten nicht nur eifrig zu beten und zu dienen, sondern sie mußten auch sorgfältig die Schriften der heiligen Väter studieren. Acht Jahre lang diente Prochor als Novize, und am 13. August 1786 wurde er als Mönch mit dem Namen Seraphim eingekleidet. Ein Jahr später weihte man ihn zum Diakon. Der Mönchspriester des Klosters, Pachomi, verrichtete ohne Seraphim keinen einzigen Gottesdienst. Und eines Tages tat sich für Seraphim der Himmel auf – während der Göttlichen Eucharistie erschien in der Kirche der Herr Jesus Christus selbst mit Seinen himmlischen Kräften. Diese Vision regte den jungen Mönch noch mehr zu einem abgeschiedenen Gebet und zu einem Einsiedlerleben an. Aber erst zwanzig Jahre nach seinem Eintritt in das Kloster wurde Vater Seraphim zum Mönchspriester geweiht.

In seiner Klosterzelle betete der Mönchspriester Seraphim unaufhörlich zu Gott, und häufig wurden ihm auch himmlische Visionen zuteil. Die Stufenleiter der Tugenden, die er erklomm, ließ ihn beinahe zu einem ersterschaffenen Adam werden – die Tiere des Waldes näherten sich dem Mönch ohne Scheu und gehorchten ihm. Vater Seraphim hat stets voller Andacht seine Gebete verrichtet, und diese Regeln für das Beten sind auch heute noch in der Kirchenüberlieferung lebendig. Er riet den gottliebenden Menschen, bis zur Mittagszeit unaufhörlich zu Christus zu beten und sich danach auch an die Gottesmutter zu wenden: «O Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erhöre das Flehen der Heiligen Jungfrau und erbarme Dich meiner Sünden». Durch die Verherrlichung der Mutter Gottes in inbrünstigem Gebet wollte der Starez Seraphim der Heiligen Jungfrau für die großen Wohltaten danken, die sie ihm erwiesen hatte. Zwar setzte der tückische Feind auch oftmals dem Einsiedler zu, aber dieser rief Christus um Beistand an, betete reinen Herzens und machte das Zeichen des Kreuzes, worauf der Böse von ihm abließ. Eine weitere Großtat von Vater Seraphim war, daß er das Gelübde des Schweigens ablegte, denn wie er sagte, bringe dieses den Menschen Gott näher und mache ihn sozusagen zu einem irdischen Engel. Dann ging der Starez zu einem strengen Einsiedlerleben über.

Nur seine Klosterzelle, heilige Ikonen und ein Eichensarg waren Zeugen seines eifrigen Dienens für Gott. Im Jahre 1825 erschien die Heilige Gottesgebärerin Vater Seraphim erneut. Sie gebot ihm, sein Einsiedler leben aufzugeben und alle zu empfangen, die des Trostes, der Genesung und der christlichen Erbauung bedurften.

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